Globale Themen

Im Schatten von Helsinki

USD

EUR USD (1,1710)

Es ist schon alles erstaunlich friedlich abgelaufen beim Gipfel in Helsinki, zu dem sich US-Staatspräsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin gestern getroffen hatten. Und somit hatte diese Begegnung praktisch keinen Einfluss auf die Devisenmärkte. Dennoch blickte man den ganzen Tag über besorgt in Richtung Donald Trump, der die EU im Zusammenhang mit dem Handelskonflikt als „foe“ bezeichnet hatte, ein Begriff, den man entweder mit „Gegner“ oder in der verschärften Version auch mit „Feind“ übersetzen kann. Und so mag manchem Akteur die gestern veröffentlichte Handelsbilanz zur Eurozone für den Monat Mai etwas den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Nicht wegen des Überschusses an sich, der überdies geringer als erwartet ausgefallen war. Vielmehr wurde erkennbar, dass der Handelsüberschuss mit den USA seit Jahresbeginn bereits auf 54,8 Mrd. EUR aufgelaufen war – das ist deutlich mehr als während der gleichen Periode des Vorjahres, als der Überschuss noch 48,1 Mrd. EUR betragen hatte; Wasser auf die Mühlen von Donald Trumps Anschuldigungen. Aber auch andere ökonomische Daten konnten der Gemeinschaftswährung während der europäischen Handelssitzung nicht viel anhaben. So etwa die US-Einzelhandelsumsätze, die zwar für Juni wie erwartet ausgefallen waren, aber für den Vormonat deutlich nach oben revidiert wurden. Dem Dollar hat es indes nicht geholfen.
Möglicherweise ist wegen des Gipfels in Helsinki eine andere Geschichte nicht ausreichend von den Marktteilnehmern wahrgenommen worden. Die Rede ist vom Euro-Kritiker Paolo Savona, der als italienischer Minister für Europäische Angelegenheiten ein bemerkenswertes Interview mit der italienischen Zeitung „La Verita“ gab. Demzufolge möchte Savona der EU vorschlagen, dass Italien zusätzliche Investitionsausgaben in Höhe von 50 Mrd. EUR zur Ankurbelung der Wirtschaft ausgeben werde. Das sind immerhin 2,7 Prozent des italienischen Bruttosozialprodukts, das für dieses Jahr erwartet wird. Dabei hätte der Betrag alleine bereits für Aufsehen sorgen können. Die Forderung Savonas, der EZB mehr Machtfülle zu verleihen, um so als sogenannter „lender of last resort“ für die gesamte Eurozone tätig werden zu können, war dagegen nicht neu. Aber der Satz im Interview, wer dem nicht zustimme, „wolle kein vereintes Europa“, hatte allerdings etwas Entlarvendes. Auch wenn der stellvertretende Premierminister Matteo Salvini gestern in den Medien wieder einmal betonte, er bestehe darauf, dass ein Austritt aus der Eurozone nicht Bestandteil des Regierungsprogramms sei, gibt es Beobachter, die diesen Worten nicht allzu viel Glauben schenken. Dennoch: Der Euro bleibt davon unberührt in seiner Konsolidierung zwischen 1,1505 und 1,1855.

GBP

EUR GBP (0,8845)

Nach vielem Hin und Her haben gestern die sogenannten "Brexiteers" innerhalb der Conservative Party doch noch einen Erfolg für sich verbuchen können. Denn das sogenannte „White Paper“ Theresa Mays soll, wie die Regierung bestätigte, hinsichtlich der Zollregeln (Customs Bill) an vier Positionen geändert werden. Womit Theresa Mays ursprünglicher Brexit-Plan noch einmal überarbeitet wird. Ganz zu schweigen von der erforderlichen Zustimmung der EU zur neuen Version des White Paper. Zuvor gab es interessanterweise einen Vorschlag der früheren Erziehungsministerin Justine Greening. Die zum Lager der "Remainers" zählende Abgeordnete hatte nämlich ein zweites Referendum vorgeschlagen, ein Schritt, der bislang hauptsächlich von Abgeordneten der Opposition ins Spiel gebracht wurde. Ihr Vorschlag: Die Bevölkerung solle bei dieser Abstimmung drei Wahlmöglichkeiten bekommen. Ob sie einen Brexit à la Chequers, einen Brexit ohne Abkommen oder, drittens, überhaupt keinen Brexit wollten. Allerdings fand dieser Plan keine Zustimmung. Am Ende blieb die Situation für die Sterling-Händler relativ unübersichtlich, so dass sich der Euro nach anfänglicher Schwäche zum Tagesschluss wieder erholte. Allerdings tut sich die Gemeinschaftswährung nach wie vor schwer, ihrem schwachen Aufwärtstrend etwas mehr Dynamik zu verleihen. Tatsächlich laviert der Euro nun bereits seit mehr als zwei Wochen an der Obergrenze seiner früheren Konsolidierungszone bei 0,8845 herum. Solange jedoch 0,8780 an der Unterseite nicht verletzt wird, bleibt das Aufwärtspotenzial bis 0,8955 (darüber auch 0,8990) erhalten.

EUR

EUR CHF (1,1675)

Wider Erwarten tat sich der Euro gestern relativ schwer, sein Aufwärtsmomentum halbwegs aufrechtzuerhalten. Dennoch bleibt das erste Etappenziel bei 1,1800 erhalten. An der Unterseite darf nach wie vor die 1,1620er Unterstützung nicht verletzt werden, um den Trend nicht zu gefährden. Bereits ein Unterschreiten von 1,1655 würde in diesem Zusammenhang den Aufwärtstrend weitere Kraft kosten.

PLN

EUR PLN (4,3010)

Die polnische Zentralbank hat gestern ihren Inflationsbericht publiziert, der noch einmal die gesenkten Inflationsprognosen für die Jahre 2018 und 2020 vom vergangenen Mittwoch bestätigte. Während die Inflations-Vorhersage für 2019 unverändert bleibt, sticht vor allen Dingen die deutlich erhöhte Wachstumsprognose für dieses Jahr (4,6 Prozent) gegenüber dem März (4,2 Prozent) hervor, während die Vorhersage für 2019 mit 3,8 Prozent unverändert und diejenige für 2020 mit 3,5 Prozent etwas niedriger als zuvor angesetzt wurde. Demzufolge gab der Euro gegenüber dem Zloty weiter nach und kann seine Kursverluste noch bis 4,2820 bzw. 4,2600 ausbauen. Eine Stabilisierung ist nun früher möglich und zwar oberhalb von 4,3410.

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