Globale Themen

Juncker wittert neue Turbulenzen

USD

EUR USD (1,2305)

Inmitten der vorwärtsdrängenden Wirtschaftswachstumswoge wirkte der gestern Vormittag veröffentlichte Ifo-Index wie ein kleiner Wellenbrecher. Der Geschäftsklimaindex sank auf den niedrigsten Wert seit September 2017. Für den überraschenden Rückgang hatten die meisten Akteure jedoch sofort ausreichend Gründe parat: Die jüngste Volatilität an den Finanzmärkten, der starke Euro oder die schwierige politische Situation in Berlin. Analysten schreckten auch nicht davor zurück, die gestiegenen Finanzierungskosten in den USA sowie die jüngsten protektionistischen Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump als Belastungsfaktoren anzuführen – für einen schwachen Ifo-Index wohlgemerkt! Betrachtet man die Reaktion des Devisenhandels, fällt jedoch auf, dass der Euro praktisch gar nicht unter der Veröffentlichung gelitten hat und den Tag sogar positiv beenden konnte. Interessant ist auch, dass er die deutlichsten Korrekturen der seit vergangenem Herbst währenden Aufwärtsbewegung erst in diesem Monat erfuhr: in der ersten Februar-Woche gut 2,6 und seit vergangenem Freitag knapp 2,4 Prozent. Dieses, anscheinend von mittelfristig orientierten Quellen stammende Angebot kam somit nicht unbedingt aufgrund der Sorge in den Markt, dass sich das Wachstum, wie der Ifo-Index von gestern es signalisiert hat, eventuell abschwächen könnte. Insofern sollte auch das Ignorieren dieser Zahlen durch den Handel nicht verwundern. Ob das ebenfalls gestern veröffentlichte Protokoll der vergangenen EZB-Ratssitzung als bessere Erklärung für die gestrige Kursbewegung dient, muss ebenfalls angezweifelt werden, denn es barg kaum Überraschungen. Zudem fand das Treffen am 25. Januar und somit ebenfalls weit vor den beiden zuvor erwähnten Euro-Korrekturen statt.
Vermutlich haben die Februar-Korrekturen mit den Turbulenzen an den Aktien- und Anleihemärkten und einem allgemeinen Hang zu Dollar-Käufen in solchen Situationen zu tun – erst recht, wenn dieser auch noch am Drei-Jahres-Tief notiert. Daher stehen die Chancen nicht schlecht, dass der jüngste Euro-Korrekturast bei spätestens 1,2215/20 abgeschlossen sein wird bzw. jenseits von 1,2440 wieder Fahrt nach oben aufnimmt.

GBP

EUR GBP (0,8825)

„Deutschland geht es nur gut, wenn es auch Europa gut geht“, mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in ihrer Regierungserklärung an. Diese Aussage trifft jedoch auch durchaus für Großbritannien zu. Denn während Eurozone und USA stetig Wachstumssteigerungen verbuchen, werden im Vereinigten Königreich immer kleinere Brötchen gebacken. Zeitgleich versucht man, die Backstube aus etabliertem EU-Gelände wieder jenseits des Ärmelkanals zu verlegen. Die Folgen sind unübersehbar: Im vierten Quartal stieg das britische Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,4 Prozent, wie das Statistikamt ONS gestern in einer zweiten Schätzung mitteilte. Pfund-Händler nahmen dies relativ gelassen zur Kenntnis. Der Handel verweilt vorerst im oberen Bereich der bekannten Konsolidierung, die zwischen 0,8690 und 0,8920/25 verläuft.

CHF

EUR CHF (1,1500)

Auf die Achterbahnfahrt an den Börsen und den rasanten Anstieg der Renditen an den Anleihemärkten hat der Schweizer Franken als „Sicherheitsparkplatz“ sichtbar reagiert und sogar etwas besser abgeschnitten als andere etablierte Ausweichhäfen. Doch nun, da sich die Gemüter gerade wieder zu beruhigen scheinen, warnt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereits vor neuen Finanzmarktturbulenzen und nennt sogar den potenziellen Zeitpunkt: 4. März. An diesem Tag finden nämlich die Italien-Wahl und die SPD-Mittgliederabstimmung zur Regierungsbeteiligung statt. Händler schienen nicht bis Anfang März warten zu wollen: Der Franken zog gestern schon an und drückte den Euro in die untere Hälfte der übergeordneten Konsolidierungszone, die sich nach wie vor von 1,1450 bis 1,1640 zieht. 

PLN

EUR PLN (4,1810)

Die polnische Zentralbank sorgt für Schlagzeilen. Nicht nur, weil sich einige ihrer Vertreter für höhere Zinsen ausgesprochen haben, falls sich durch steigende Konsumentenpreise Inflationsdruck aufbauen sollte. Das wäre für die Allgemeinheit bereits viel zu finanztechnisch. Die Notenbank gelangte wegen eines YouTube-Videos in die Schlagzeilen. Sie sah sich nämlich verpflichtet, Bürger vor Gefahren des Bitcoin zu warnen und wählte dafür eine unkonventionelle Methode, indem sie einen bekannten polnischen Youtuber einen geprellten Privatanleger spielen ließ, der durch Kryptowährungen sein Vermögen verliert. Ob dies auch gleichzeitig ein wenig mehr Interesse auf den Zloty lenkt, ist zweifelhaft. Den Euro hat es jedenfalls nicht daran gehindert, in die obere Hälfte seiner Konsolidierungszone vorzudringen, die zwischen 4,1300 und 4,2030 verläuft. Einen Ausbruch würden wir jedoch erst oberhalb der 4,2225er Hürde für bedeutungsvoll halten.

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