Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Nach dem gestrigen ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen, konnte der Euro gegenüber den meisten der G10-Währungen – mit Ausnahme zweier skandinavischer – einen über 1-prozentigen Anstieg verzeichnen. 
  • Die Marktteilnehmer sind erleichtert, weil die Stichwahl nicht zwischen den beiden Kandidaten der politischen Extreme stattfinden wird, sondern der europhile Kandidat Emmanuel Macron als bisheriger Wahlsieger hervorgegangen ist. Es scheint, als sei er der große Favorit der Stichwahl (laut der gestern Abend veröffentlichten Ipsos-Umfrage soll er mit 62% der Stimmen gegenüber Marine Le Pen mit 38% gewinnen).
  • EUR/USD stieg mit 1,0935 USD auf ein 5,5-Monatshoch, bevor der Kurs sich wieder im Bereich von 1,0850 USD einpendelte.
  • Starker Anstieg des Euro gegenüber zwei Fluchtwährungen – namentlich dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken. EUR/JPY stieg um über 3% in den Bereich von 120 JPY, gleichzeitig stieg EUR/CHF mit 1,0836 auf ein 4,5-Monatshoch.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Deutschland (10:00 Uhr) – ifo-Geschäftsklimaindex (April) – Konsensprognose 112,5 gegenüber 112,3 im Vormonat

UK (12:00 Uhr) – CBI-Umfrage zur Auftragslage in der britischen Industrie (April) – Konsensprognose 5,0 gegenüber 8,0 im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – Chicago Fed nationaler Aktivitätsindex (CFNAI) (März) – keine Konsensprognose gegenüber 0,34 im Vormonat

USA (17:30 Uhr) – Stellungnahme von N. Kashkari (Fed in Minneapolis), 2017 stimmberechtigtes Mitglied des US-Offenmarktausschusses (FOMC)

Schwerpunkte am Vortag

Noch nicht amtlich bestätigtes, wenig überraschendes Ergebnis beim ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen; Marktakteure erleichtert, dass in der Stichwahl nicht zwei Extremkandidaten gegeneinander antreten

Der erste Durchgang der Wahlen in Frankreich ist entschieden: Emmanuel Macron, der Kandidat der im April 2016 gegründeten Partei En Marche, konnte sich mit 23,9% an der Spitze behaupten. Die Kandidatin des rechtspopulistischen Front National belegte mit 21,4% den zweiten Platz. Sie wird nun dem ehemaligen französischen Wirtschaftsminister am 7. Mai 2017 gegenübertreten. Die beiden großen Verlierer der Wahl sind François Fillon, der Kandidat der Republikaner mit 19,9% auf Rang 3 und Benoît Hamon, der mit nur 6,3% der Stimmen auf Rang 5 landete und damit das bisher schwächste Ergebnis seiner Partei im ersten Durchgang von Präsidentschaftswahlen überhaupt erzielte. Trotz des in den letzten Wochen deutlichen Zuwachses der Wählerstimmen für Jean-Luc Mélenchon, konnte der Kandidat der Linken nicht genügend Stimmen auf sich vereinen, um es bis in die Stichwahl zu schaffen. Er erreichte mit 19,6% der Stimmen nur 4. Platz.

Die Marktteilnehmer haben schnell und positiv auf dieses Ergebnis reagiert, da die Gefahr einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten der extremen politischen Flügel (Le Pen gegen Mélenchon) nun gebannt ist. Emmanuel Macron scheint der große Favorit der Stichwahl zu sein, wenn man den Wahrscheinlichkeitsrechnungen glauben schenken darf, die seit Anfang des Jahres durchgeführt wurden und ergaben, dass er im Durchschnitt 20% mehr Wählerstimmen wird auf sich vereinen können, als die Kandidatin der äußersten Rechten. Eine Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos am gestrigen Abend veröffentlicht wurde, ergab ein Kräfteverhältnis von 62% zu 38% zugunsten des Parteichefs von En Marche.

Der Euro konnte gegenüber fast allen G10-Währungen etwa 1% zulegen, mit Ausnahme von zwei skandinavischen: der Norwegischen und der Schwedischen Krone. Den stärksten Anstieg verzeichnete er gegenüber dem Yen (+3,3%; Höchstkurs von EUR/JPY: 120,82 JPY, d.h. 1-Monatshoch). EUR/USD stieg mit 1,0935 USD auf ein 5,5-Monatshoch (+1,9%) und EUR/CHF erzielte ein 4,5-Monatshoch (1,0836 CHF).

Themen Heute

Geldpolitische Sitzungen von drei Zentralbanken (EZB, BoJ und Riksbank); Inflationsdaten aus der Eurozone und Australien; erste Schätzungen des US-BIP und britischen BIP; EU-Gipfel zum Thema Brexit

Inflationsdaten aus Deutschland, der Eurozone und Australien: Bevor am Donnerstag die EZB-Sitzung stattfindet, veröffentlichen Deutschland und die Eurozone die ersten Inflationsschätzungen für April. Die Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Inflation im Jahresvergleich einen stärkeren Anstieg verzeichnet hat. Möglicherweise könnten sich die Zahlen auf Ton und Tenor der offiziellen Stellungnahme der europäischen Zentralbanker auswirken, vor allem auf Mario Draghis Pressekonferenz.

In Australien gehen die Wirtschaftsexperten davon aus, dass die am Mittwochmorgen erscheinenden Inflationsdaten des 1. Quartals 2017 einen Anstieg verzeichnen (Konsensprognose 2,2% J/J gegenüber 1,5%), was angesichts des deutlichen Anstiegs der Rohstoffpreise zu Beginn dieses Jahres äußerst wahrscheinlich scheint. Ein derartiges Ergebnis sollte die Reserve Bank of Australia (RBA) darin bestärken, die Leitzinssätze unverändert beizubehalten bzw. eine Strategie der Normalisierung der Leitzinsen in den nächsten Quartalen in Erwägung zu ziehen, falls die Lage der heimischen Wirtschaft das rechtfertig. Allerdings steht dies kurzfristig nicht auf der Agenda.

Zentralbanken: In dieser Woche halten drei große Zentralbanken ihre geldpolitischen Sitzungen ab. Sie alle finden am Donnerstag (27. April) statt. Es handelt sich dabei um die japanische Zentralbank (BoJ), die schwedische Zentralbank (Riksbank) und die Europäische Zentralbank (EZB).

Der Gouverneur der BoJ erklärte bereits in der letzten Woche mit Nachdruck, er plane die aktuelle expansive Geldpolitik noch über einen längeren Zeitraum beizubehalten (d.h. das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten). Somit gehen die Beobachter davon aus, dass die japanischen Zentralbanker am Donnerstag eine Stellungnahme abgeben werden, die denen vorheriger Sitzungen gleich.

Die Stellungnahmen verschiedener Vertreter der EZB der vergangenen Woche bestätigten, dass bei ihren Ansichten hinsichtlich des wirtschaftlichen Gesundheitszustands und der Risiken der Eurozone unterschiedliche Auffassungen vorherrschen. Man geht nicht davon aus, dass auf der dieswöchigen Sitzung in diesem Punkt eine große Veränderung eintritt. Wie bereits in den Monaten zuvor, dürften die Marktteilnehmer bei der Pressekonferenz aufmerksam die Aussagen Mario Draghis verfolgen. Sollte es Hinweise darauf geben, dass sich der geldpolitische Kurs der EZB ändern könnte, würde das den Euro beflügeln ... Ein Anstieg der Inflation in Deutschland und in der Eurozone sowie das ermutigende Ergebnis des ersten Durchgangs der französischen Präsidentschaftswahlen könnten die europäischen Zentralbanker ermutigen, ihre Bereitschaft zu einem geldpolitischen Kurswechsel in der Zukunft durchblicken zu lassen. Die von Bloomberg befragten Wirtschaftsexperten gehen eher davon aus, dass eine offizielle Stellungnahme zu einen Kurswechsel der EZB erst im Juni, d.h. nach der endgültigen Entscheidung der französischen Präsidentschaftswahlen, erfolgen wird.

BIP: Am Freitag erscheint die 1. Schätzung des BIP-Wachstums des 1. Quartals in den USA und dem Vereinigten Königreich. Man geht davon aus, dass sich das US-BIP gegenüber dem vorherigen Quartal in etwa halbiert hat (Konsensprognose: 1,1% Q/Q gegenüber 2,1% im 4. Quartal 2016), was die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Leitzinserhöhung vor Ende des 1. Halbjahres deutlich reduzieren würde. Die Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die britische Wirtschaftsaktivität im 1. Quartal begonnen hat nachzulassen (Konsensprognose: 0,4% Q/Q gegenüber 0,7% im 4. Quartal 2016), wobei dies bisher nicht alarmierend ist. Die Anleger könnten jedoch bei der Lektüre dieser Zahlen darauf spekulieren, dass die Wirtschaft in den nächsten Monaten weitere Einbrüche verzeichnen könnte, da der Brexit Ende März offiziell eingeleitet wurde (selbst wenn die Verhandlungen noch nicht aufgenommen wurden und möglicherweise noch auf sich warten lassen, bis im Juni 2017 die britischen Parlamentswahlen stattgefunden haben).

EU-Gipfel zum Thema Brexit: Am Samstag treffen sich die 27 EU-Mitgliedstaaten anlässlich eines europäischen Gipfeltreffens. Im Rahmen dieser Sitzungen könnte ein gemeinsamer Handlungsrahmen verabschiedet werden, der die gewünschten Voraussetzungen im Vorfeld der britischen EU-Austrittsverhandlungen umfasst. Die in den Medien in den letzten Wochen mehrfach angesprochene Rechnung über 60 Mrd. EUR an das Vereinigte Königreich könnte durchaus eine Bedingungen darstellen, ohne deren Erfüllung keine Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen warden.

CHF:

EUR/CHF konnte heute Morgen wieder 1% zulegen, nachdem die politische Unsicherheit in der Eurozone, nach dem gestrigen ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen, nachgelassen hat. Der Wechselkurs konnte mit 1,0836 CHF auf ein 4,5-Monatshoch steigen und notiert zu Beginn des europäischen Handelstages im Bereich von 1,08 CHF. Die Tatsache, dass die euroskeptische Kandidatin Le Pen es in die Stichwahl geschafft hat, verhindert bisher einen stärkeren Anstieg des Wechselkurses, obwohl sie laut Meinungsumfragen nicht die Favoritin ist. Der Anstieg könnte bis Donnerstag allerdings etwas nachlassen, da die Stellungnahme der EZB im Anschluss an die Sitzung möglicherweise erneute Volatilität bei diesem Währungspaar hervorrufen könnte.

EUR:

Das Ergebnis des ersten Durchgangs der französischen Präsidentschaftswahlen (siehe auch Schwerpunkt des Vortrags) ließ die Marktteilnehmer aufatmen und den Euro gegenüber zahlreichen G10-Währungen (mit Ausnahme zweier skandinavischer Währungen) zulegen. Der bei den Börsianern beliebteste Kandidat Emmanuel Macron ging als Sieger aus dem ersten Durchgang hervor. Auch wenn die Teilnahme der euroskeptischen Marine Le Pen an der Stichwahl ein nicht zu vernachlässigendes Risiko darstellt, scheint sie derzeit nicht über ausreichend Wählerstimmen zu verfügen, um die Stichwahl am 7. Mai für sich zu entscheiden. Die verschiedenen Vertreter der beiden traditionellen politischen Kräfte, der Republikaner (Mittel-rechts) und der Sozialisten (Mitte-links) habe bereits gestern Abend zur Bildung einer republikanischen Front gegen die Kandidatin des Front National aufgerufen. Die am Abend erschienenen Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass Emmanuel Macron bei der Stichwahl wohl über 60% der Stimmen auf sich vereinigen wird. Dieses Kräfteverhältnis wurde bereits in den letzten Monaten so beobachtet und scheint auch derzeit nicht zu bröckeln.

Nachdem EUR/USD direkt nach Erscheinen der ersten Hochrechnungen mit 1,0935 USD auf ein 5,5-Monatshoch stieg, hat der Rückenwind schrittweise nachgelassen. Das Ergebnis ist als solches nicht überraschend, da es sich laut den Umfrageergebnissen der letzten Wochen bereits abgezeichnet hatte, und die Anleger verhalten sich weiterhin vorsichtig, da die Gefahr des Frexit noch nicht endgültig vom Tisch ist. Zwar wird sich die Aufmerksamkeit in dieser Woche wohl noch auf Frankreich und mögliche Stellungnahmen von Kandidaten richten, die noch keine klare Positionierung vorgenommen haben (Jean-Luc Mélenchon und Nicolas Dupont-Aignan), doch dürfte das Thema französische Wahlen von der EZB-Sitzung am Donnerstag zumindest zeitweise in den Hintergrund gedrängt werden.

USD:

Der US-Dollar-Index ist heute Morgen auf ein 5,5-Monatstief gefallen, was vor allem auf die Kurszuwächse des Euro zurückzuführen war, die sich nach Bekanntgabe der Ergebnisse des ersten Durchgangs der französischen Präsidentschaftswahlen einstellten. Seit der letzten Woche befindet sich der US-Dollar jedoch nach wie vor im Abwärtstrend, da die jüngsten Hinweise auf eine gewisse Schwäche der US-Wirtschaft die Anleger dazu bewogen haben, eine mögliche weitere Leitzinserhöhung (die dritte innerhalb von sechs Monaten) vor Ende des ersten Halbjahres infrage zu stellen. In der vergangenen Woche lag die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung, die anhand der Positionierung der Anleger bei Termingeschäften kalkuliert wird, unter 50%. Die 1. Schätzung des BIP des 1. Quartals 2017, die am Freitag erscheint, könnte diese Tendenz bestätigen. Laut Medianprognose der von Reuters befragten Wirtschaftsexperten ist von einer Halbierung des BIP-Wachstums der USA gegenüber dem vorherigen Quartal auszugehen (Konsensprognose: 1,1% Q/Q gegenüber 2,1% im 4. Quartal 2016).

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