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Hängepartien und „nukleare Optionen“

USD

EUR USD (1,1775)

Der gestrige Montag hätte nach gängiger Lesart eigentlich dem Euro mehr Schaden und dem US-Dollar mehr Nutzen bringen können. Natürlich muss man nicht wegen der ungelösten Katalonien-Krise zwangsläufig sofort auf den Euro-Verkaufsknopf drücken. Denn die Hängepartie zwischen Carles Puigdemont und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy wird mangels klarer Antwort aus Katalonien zumindest bis Donnerstag andauern. Ob dann tatsächlich die so genannte „nukleare Option“, der Artikel 155 der spanischen Verfassung, gezogen wird? Auch gibt es Händler, die den österreichischen Wahlausgang und eine mögliche Koalition der Konservativen unter Führung des Kanzlers in spe, Sebastian Kurz, mit der ultra-rechten FPÖ mit Argwohn begegnen. Auf der anderen Seite hätte aus US-Sicht mehr für einen festeren Dollar gesprochen. So wiederholte etwa Fed-Präsidentin Janet Yellen am letzten Sonntag die Zusage der Notenbank, die Leitzinsen trotz der enttäuschenden Inflationszahlen zu erhöhen. Aber von diesem Statement blieb am Ende genauso wenig übrig wie vom positiv ausgefallenen Empire State Index (höchster Stand seit drei Jahren), der die Stimmung in der Industrie im US-Bundesstaat New York misst. Erst eine Personalie half dem Dollar etwas auf die Sprünge, als nämlich ein neuer Name in der Diskussion um die Yellen-Nachfolge ins Spiel gebracht wurde. John Taylor, der als Zinsfalke gilt, scheint einer der bevorzugten Kandidaten von US-Präsident Donald Trump für den Fed-Vorsitz zu sein.

Dennoch blieben in den vergangenen Tagen die Impulse auf den Wechselkurs relativ überschaubar und von kurzer Dauer. Grund dafür dürften fehlende größere Schieflagen mittelfristig orientierter Marktteilnehmer sein, die eine Grundvoraussetzung für einen größeren Trend darstellen. Damit bleibt der Euro in seiner vorgezeichneten Bandbreite, an deren Oberseite 1,1925 überschritten werden muss, um eine nachhaltigere Aufwärtsbewegung auszulösen. Und an deren Unterseite der Auslöser für erneute Schwäche bei 1,1745 zu finden ist.

GBP

EUR GBP (0,8885)

Theresa May ist nicht zu beneiden. Auf der einen Seite hat man den Eindruck, sie möchte die Pattsituation zwischen Großbritannien und der EU irgendwie beenden. Aber sie bekommt Gegenwind von der EU, angeführt von Deutschland und Frankreich, die nach wie vor darauf bestehen, dass das Vereinigte Königreich seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt. Auf der anderen Seite ist aber nicht nur die EU der so genannte „Feind“ der Brexit-Anhänger in Großbritannien. Tatsächlich wird er zunehmend in den Reihen der eigenen Regierung gesucht. So wurde etwa Schatzkanzler Philip Hammond in der vergangenen Woche als Saboteur (Daily Mail) und Verräter bezeichnet, weil er sich weigert, größere Beträge für den Fall zurückzulegen, dass es zwischen der EU und Großbritannien zu keiner Einigung kommt. Ein so genannter „No Deal“– auch hier machte der Begriff „nukleare Option“ die Runde – dürfte nach Ansicht vieler Händler und Analysten zu einer anhaltenden Pfund-Schwäche führen. Davon ist derzeit allerdings noch nicht allzu viel zu sehen. Im Gegenteil: Der Euro schwächte sich sogar gestern temporär ab, muss aber das kritische Niveau von 0,8840 unterschreiten, um einen Abwärtstrend einzuleiten.

CHF

EUR CHF (1,1500)

Der Spielraum hat sich für den Euro etwas verringert, da bei 1,1540 neues Angebot zu erwarten ist. Darüber hinaus ist der Spielraum für Kursgewinne bis auf 1,1600 anzusetzen, während gute Nachfrage bei 1,1465/70 zu erwarten ist.

PLN

EUR PLN (4,2270)

Das niedriger als erwartet ausgefallene polnische Leistungsbilanzdefizit (es betrug im August nur noch rund 100 Millionen Euro) könnte gestern zum Abwärtstrend des Euro beigetragen haben, der gerade seine nächste Unterstützung bei 4,2270 angreift. Darunter wäre sogar Platz bis 4,1950 (bzw. auch bis zum Jahrestief bei 4,1600). Ein Stabilisierungspunkt ist auf der anderen Seite immer noch weit entfernt – das entsprechende Niveau liegt bei 4,2810.

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